Geschichte

Meister-Brief Heinrich Schmidt

Meister-Brief von Heinrich Schmidt aus dem Jahre 1890

Die Firma überlebte zwei Weltkriege und zwei Diktaturen – wird und wurde von vier Generationen in Familienhand geführt. Sie  erlebte den Aufschwung in den Gründerjahren mit bis zu 200 Beschäftigten, die Inflation mit neun Beschäftigten und die versuchte Vernichtung des Handwerks in der DDR mit nur zehn Beschäftigten.

Die Firma wurde 1876 als Familienunternehmen von Heinrich Schmidt gegründet. Er erlernte bis  1868 den Beruf eines Steinsetzers in Grabow bei Stettin und legte die Meisterprüfung 1876 als Steinsetzmeister ab.

Kabelverlegung Rüdigerstraße 1912

Kabelverlegung Rüdigerstraße 1912

Einer seiner größten Aufträge war der Durchbruch für die Feldbahn der Grube CONRAD, die von Kölzig nach Bohsdorf führen sollte. Während dieser Arbeiten im Jahr 1887 wurde sein Sohn Walter Schmidt geboren. Die zweite Generation. In den Gründerjahren gab es viel Arbeit für das Unternehmen. Die Fundamente des Wasserwerkes wurden gebaut und der Grund für das Eltwerk Forst ausgeschachtet. Seit 1900 war Walter Schmidt Lehrjunge bei seinem Vater. Mit 18 Jahren – 1905 legte Walter Schmidt seine Gesellenprüfung  ab. Am 20.07.1910 starb der Firmengründer Heinrich Schmidt. Sein Sohn Walter hatte die Wehrzeit absolviert und übernahme im Alter von 23 Jahren die Firma. Diese wurde unter der Bezeichnung “ Fa. Walter Schmidt “ geführt.

Pflasterarbeiten in der Mittelstraße 1920 (heute bei Klemann).

1911 legte Walter Schmidt seine Meisterprüfung  ab. In den folgenden Jahren wurde die Kanalisation in Forst gebaut. Diese war für 100.000 Einwohner ausgelegt. Die Firma war maßgeblich daran beteiligt. 1914 – zu Beginn des 1. Weltkrieges wurden Pferde und Wagen eingezogen. Walter Schmidt zog in den Krieg. Nach dem ersten Weltkrieg waren von zwölf  Wagen nur noch drei da – die Pferde blieben im Krieg. 1922 wurde die “ Lange Brücke “ in Forst von der Firma gepflastert. Die Inflation wirkte sich hier schon negativ auf die Bauarbeiten aus. In dieser Zeit heiratete Walter Schmidt seine Frau Johanna ( geb. Hamann ) Ab 1924 gab es wieder Arbeit – das Unternehmen war so am Bau der Frankfurter Straße , der Amtstraße und des Kegeldamms in Forst beteiligt.

Bau des Kanals zur Jahnschule 1928

Ab 1934 wurden sogenannte Notstandsarbeiten ausgeführt – wie die Trockenlegung der Naundorfer Wiesen. Dort fand man einen 2000 Jahre alten – 12 m langen Einbaum. Dieser wurde gehoben, mit Leinöl konserviert und neben dem Alten Amt in Forst aufgestellt. Leider wurde dieser längste in Deutschland gefundene Einbaum in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges zu Brennholz verarbeitet. Ein Kanalbau nach Scheuno 1941 war die letzte Arbeit vor Kriegsausbruch. Mit der Verpflichtung durch die Organisation Todt wurden die Arbeiten in Deutschland eingestellt und sämtliches Gerät sowie einige Vorarbeiter nach Russland geschickt bzw. verplichtet.

Fund eines 2000 Jahre alten Einbaumes bei der Trockenlegung der Naundorfer Wiesen 1934.

Alle Maschinen gingen in den letzten Kriegsjahren verloren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden durch die Firma Schützengräben geschlossen, der Neißedamm repariert und das Reisigwehr an der Neiße gebaut. 1949 gab es kaum noch Aufträge. Handwerksbetriebe durften nur max. zehn Mitarbeiter beschäftigen und geringere Löhne als staatliche Betriebe zahlen. Das Leben von Walter Schmidt war wohl das Ereignisreichste. Er wurde im Kaiserreich groß, erlebte die Weimarer Republik, zwei Weltkriege und zwei Diktaturen. Wir erlebten, wie Großvater Walter Schmidt bei allen Feierlichkeiten zu DDR- Zeiten sein Glas auf die Deutsche Einheit erhob: „Ich trinke auf die Deutsche Einheit“  sagte er und von uns belächelt wurde – aber er sollte Recht behalten – hat es aber leider nicht mehr erlebt , denn  er starb 1984 – in dem Jahr in dem der zweite Urenkel Alexander Dunkel geboren wurde .

1962 ging der Betrieb in den Besitz des Schwiegersohnes Hans Dunkel und seiner Frau Käthe ( geb. Schmidt ) über. Hans Dunkel  gelernter Ing. für Kranbau und Seilermeister legte die Meisterprüfung im Straßenbauerhandwerk 1964 ab. Nach seinem Tod 1992 wird das Unternehmen als Schmidt-Dunkel Straßen -und Tiefbau GmbH & Co.KG von seinem Sohn Hans Ullrich  weiter geführt. Hans Ullrich Dunkel ist Bauingenieur und seit 1989 Meister im Straßenbauerhandwerk.